Workshop, December 2014 (German Version)

Griechisch und Latein in einer Welt offener Daten (English version)
Dezember 1-4, 2014
Open Philology Project
Universität Leipzig, Deutschland

Beitragsaufruf
Termin für die Einreichung von Positionspapieren: Oktober 1, 2014

Das Open Philology Project an der Universität Leipzig wird einen Workshop zu dem Thema “Griechisch und Latein in einer Welt offener Daten” ausrichten. Das Ziel ist es, eine Diskussionen zu der Frage anzuregen, wie Griechisch und Latein auch in der heutigen Zeit ihre einflußreiche Rolle im intellektuellen Leben der Menschheit zwischen Okzident und Orient beibehalten kann. Wenn Sie die lateinische und griechische Forschung und Lehre neuerfinden könnten, wie sähe das aus? Der ideale Beitrag zu der Diskussion hat eine klare Zukunftsvorstellung, präsentiert den Weg dahin, und basiert auf Vorarbeit, die schon jetzt verfügbar ist.
Lingua franca des Workshops wird die englische Sprache sein, da sie uns eine der praktischsten Sprachen für interkulturellen Kommunikation zu sein scheint. Obwohl das vorgestellte Positionspapier in Englisch verfügbar sein soll, würden wir uns freuen wenn in ihm die Verwendung ander Quellsprachen ausdrücklich betont ist. Ebenfalls würde es uns freuen Positionspapiere zu empfangen, die ihr Hauptaugenmerk auf Methoden und Projekte legen, die den Fokus klassischer Forschung erweitern. Ein anregender interforschungskultureller Austausch zwischen Kollegen verschiedener Nationen und Fächer ist ausdrücklich erwünscht und wir hoffen diesen mit unserem Workshop zu unterstützen. Wenn möglich und es von mehreren Workshopteilnehmern erwünscht ist, werden wir uns bemühen Simultanübersetzungen an zu bieten.
Positionspapiere, die in Läge 100 Wörter nicht übersteigen sollten, sind am 01. Oktober 2014 fällig und können hier eingereicht werden. Dabei dürfen die Positionspapiere längere Diskussionen zusammenfassen und sollten bestenfalls Verweise auf bereits bestehenden Ansätze und Arbeiten enthalten. Wir freuen uns, Arbeiten von allen an der Forschung für Latein und Griechisch beteiligten Personen zu empfangen, zum Beispiel WissenschaftlerInnen und Studenten der Lateinischen und Griechischen Sprache, Geschichte und Kultur, ForschungsbibliothekarInnen und Bibliotheksangestellte, KuratorInnen von Sammlungen, sowie Verlage, aber auch alle anderen die sich der Erforschung dieser Sprachen verschrieben haben. Erfolgreiche Positionspapiere werden auf der Webseite der Digital-Humanities-Lehrstuhl am 01 November 2014 veröffentlicht. Dabei bleiben die Positionspapiere versionierte Living Documents, die noch vor, während und nach dem Workshop von der VerfasserIn bearbeitet werden können, um Feedback aus der Forschungs- und Workshopsgemeinschaft einzuarbeiten.

Begrenzte Mittel, die bei der Übernahme von Übernachtungs- und Anreisekosten helfen können, stehen für VerfasserInnen besonders hoch bewerteter Beiträge zur Verfügung.

Themen können sich an der nachfolgenden Liste orientieren, sind aber nicht darauf begrenzt:
* Wie könnte eine möglichst lebhafte Rolle der klassischen Sprachen im intellektuellen Leben der Gegenwart aussehen?
* Welche Chancen und Risiken offenbaren sich durch eine Öffnung von Forschungsarbeit und -daten? Insbesondere stellt sich die Frage, welche neuen Formen der Veröffentlichung hervortreten werden.
* Welche Grenzen hat diese Offenheit? Es gibt Grenzen zu dem was geändert werden kann: der Kerninhalt einer bestimmten Aussage eines bestimmten Autors zu einer bestimmten Zeit muss erhalten bleiben. Allerdings können (und sollten) zumindest Kommentare in Zukunft kollaborativ erzeugt und erhalten werden, unter Attribution der einzelnen Autoren. Gleichermaßen könnte eine bestimmte, individuelle Übersetzung eine besonders poetische Tonlage treffen, kollaborative Übersetzungen aber trotzdem ein wichtiges Werkzeug zur Bereitsstellung einer wachsenden Zahl moderner Übersetzung klassischer Texte darstellen.
* Welche Arbeiten bringen dem Studium von antikem Griechisch und Latein den grössten Nutzen und Fortschritt, und welche Arbeiten sollten durch die Forschergemeinde gefördert werden? Die durch Fakultätsmitglieder in Forschung investierte Zeit stellt unsere reichste und sicherste Ressource dar. Wie und wo sollte diese investiert werden?
* Wie ermöglichen wir einer globalen Öffentlichkeit den Zugang zu griechisch-römischer Kultur? Welche sprachlichen und kulturellen Barrieren gilt es zu überwinden, um Studierende ausserhalb des westlichen Kulturkreises anzusprechen?
* Wie reagieren wir auf die sich wandelnden Grössenordnungen der Forschung ? Während die Methoden der Korpuslinguistik ein neues Licht selbst auf bereits gründlich erforschte Texte werfen, werden mit den Methoden der Computational Linguistics Forschungsfragen zu Textsammlungen über tausende Jahre und Milliarden von Wörtern ermöglicht.
* Welche Möglichkeiten eröffnen sich für die Citizen Science auf der Grundlage von mehr als einer Milliarde verfügbaren Wörter in Griechisch und Latein, und hochauflösenden Scans auf tausenden von Manuskripten, Inschriften und Schriftrollen? Wie kann eine kleine handvoll Forscher und Bibliothekare das Potential der Citizen Science am besten zum Nutzen der Erforschung dieser Datenmengen einbinden?
* Welche neuen Lehrmethoden für klassische Sprachen ergeben sich aus der Verfügbarkeit von “richly annotated” Korpora und den interaktiven Möglichkeiten von Computerspielen und -spielarchitekturen, sowie den neueren kognitionswissenschaftlichen Erkenntnissen zu Sprache und Gedächtnis?
* Welche Rolle spielen Griechisch und Latein in Grund- und Sekundarschule? Welche Inhalte sollte ein BA oder MA in Griechisch, Latein oder Klassischer Geschichte vermitteln? Welche Fertigkeiten soll der nächsten Generation von Lehrern und Forschern mitgegeben werden?
* Wie unterstützen wir Veröffentlichungen zu und Infrastruktur für klassische Sprachen in einer Welt von Open Access, Open Source und Open Data? Welche Strukturen zur Veruoffentlichung brauchen wir? Welche Rolle spielen Bibliotheken bei der Veröffentlichung und Bereitstellung von Forschungsarbeiten und -daten? Auf welche Art und Weise sollten Forscher ihre Arbeiten veröffentlichen? Brauchen wir Infrastrukturen die einer Druckerei (Sicherstellung grösstmöglicher Verfügbarkeit in einem standardisierten und nachhaltigen Format) ähnlicher sind als einem Verlag (rechtliche Kontrolle über Forschungsergebnisse)?
* Auf welcher Grundlage wird die Lehre von Altgriechisch und Latein fort bestehen? Und wie, falls überhaupt, können Erfolge in manchen Ländern auf die Situation in anderen übertragen werden? Wieso werden bspw. in Europa die Stellen ausscheidender/emeritierender Professoren neu besetzt, während in den Vereinigten Staaten die American Philological Society zur Society for Classical Studies umfunktioniert wurde und an vielen US-amerikanischen Universitäten Stellen gestrichen werden? Bedeuten die insgesamt über 3 Millionen Schüler in Griechisch- und (grösstenteils) Lateinkursen in Frankreich, Italien und Deutschland, dass europäische Fakultäten von der Ausbildung neuer Schullehrer abhängig sind? Was könnte die klassische Philologie in den USA aus der Situation in Europa lernen? Und vielleicht noch wichtiger, inwiefern helfen in modernen Sprachen unterrichtete Kurse in griechisch-römischer Kultur, verglichen mit Unterricht in Griechisch und Latein?

Die Konferenz wird sowohl Videokonferenzen als auch Vor-Ort Treffen beinhalten, von Montag bis Donnerstag, den 1. bis 4. Dezember 2014. Öffentliche Diskussionen werden als Videoschaltung durchgeführt, um 17:00 bis 20:00 Uhr Ortszeit (12:00-15:00 Brasil East Coast; 11:00-14:00 US East Coast; 8:00-11:00 US West Coast), während den Tag über formelle und informelle Treffen in kleinerem Rahmen stattfinden werden.

Workshop-Komittee (English version)